Online-Fragestunde allergischer Schock

Experten beantworten Ihre Fragen.

Woran erkennt man einen drohenden allergischen Schock und wie wird dieser gestoppt? Die richtige Antwort zu wissen, kann Leben retten. Dennoch ist im Falle des Falles nicht immer klar, wie ernst die Lage ist oder was genau zu tun ist.

Daher konnten Sie uns hier online all Ihre Fragen rund um den allergischen Schock stellen.

Fragestunde vom 18. November 2018

Unsere Experten

Prof. Dr. Margitta Worm,
Hautärztin, Leiterin der Hochschulambulanz mit Allergie-Centrum-Charité
Campus Charité Mitte, Berlin

Prof. Dr. med. Bodo Niggemann, Kinderarzt / Allergologe, Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité
Campus Virchow-Klinikum, Berlin

Ihre Fragen und Antworten

Erdbeerallergie als Kind - Kurzatmigkeit nach Erdnussverzehr als Erwachsener: Besteht Anaphylaxiegefahr?

Eine allergische Reaktion gegen Erdbeeren ist in der Regel nicht gefährlich, sondern äußert sich als Hautreaktion. Es ist gut möglich, dass sich diese Allergie mit der Zeit legt. Gegen Erdnuss kann man auch IgE-vermittelt allergisch reagieren, d. h. möglicherweise bedrohlich. In einem ersten Schritt hilft hier ein Allergietest mit der Messung von spezifischem IgE im Blut, z. B. gegen Erdnuss und Ara h 2. Danach muss man überlegen, ob eine kontrollierte orale Provokation notwendig ist. Dafür sollte ein erfahrener Allergologe aufgesucht werden.

Mein 8-jähriges Kind hat schon einmal anaphylaktisch auf Hasel-, Wal- und Erdnüsse reagiert. Seine Bluttestwerte für diese Allergene schwanken seither und das Gesamt-IgE hat sich verdoppelt- was bedeutet das?

Allergietests (auch die der Komponenten, wie z. B. Ara h 2) besagen nur etwas über die allergische Sensibilisierung - nicht direkt etwas über die allergische Erkrankung. Betrachtet man viele Kinder, dann haben diejenigen mit den höheren IgE-Werten ein höheres Risiko für eine Reaktion und umgekehrt. Individuell kann das aber auch anders sein. Mittels einer kontrollierten oralen Provokation in einer Klinik kann ermittelt werden, ob weiterhin eine strenge Diät und das ständige Mit-sich-Führen eines Adrenalin-Autoinjektors notwendig ist oder nicht - Allergietests alleine geben hier nicht genügend Antwort.

Ich leide unter diversen Pollen-, Nahrungsmittel- (Grapefruit, Soja), Wespengift- und Milbenallergien. Muss ich auf alle Lebensmittel, die "Spuren von Soja oder Haselnuss enthalten können" verzichten?

Die allergischen Reaktionen auf Nüsse und Soja entstehen hier wahrscheinlich als Folge einer Kreuzallergie infolge der Pollenallergie. Diese sind meist mengen- (gerade bei Soja) und verarbeitungsabhängig. Z. B. können geröstete Haselnüsse meist trotzdem vertragen werden, daher muss die Meidung nicht immer vollständig sein. Dies kann jedoch nur mit Hilfe eines Allergologen geklärt werden. Es stehen neue Bestimmungsverfahren für Allergieantikörper zur Verfügung, die hier weiterhelfen können. Letztlich hilft sicher nur ein Provokationstest, bei dem definierte Mengen des Allergens gegeben werden und dann geschaut wird, ob und bei welcher Menge der Patient reagiert. Basierend auf den Ergebnissen kann dann eine allergologisch versierte Diätassistentin beraten. Ein Eigenversuch ist nicht zu empfehlen, da das Auftreten auch schwerer Reaktionen auch durch geringe Allergenquellen möglich ist!

In welcher Reihenfolge müssen die 3 Notfallmedikamente eingesetzt werden und müssen es alle drei Medikamente hintereinander sein - Genügt der Pen alleine nicht?

Die Verabreichung von Adrenalin in den Muskel ist ganz klar die erste und wichtigste Maßnahme. Nur sie kann möglicherweise bedrohliche Symptome behandeln - und das in kurzer Zeit! Die beiden anderen Medikamente (Antihistaminika und Kortison) sind weit weniger wichtig und wirksam und sollten daher zweitrangig eingesetzt werden. Theoretisch kann man auch nur Adrenalin alleine geben; dies wirkt aber nicht viel länger als eine Stunde und kann daher recht gut durch die beiden anderen schwächeren, aber länger wirkenden Substanzen ergänzt werden.

Akute Nesselsucht durch professionelle Zahnreinigung oder Ei-Brötchen?

Eine solche Urtikaria kann durch eine allergische Reaktion hervorgerufen worden sein und sollte ärztlich abgeklärt werden. Nur so kann der Auslöser identifiziert werden, grundsätzlich kommen hier die genannten Stoffe (Zahnmaterialien, aber auch Nahrungsmittel) in Betracht. Bis zur Abklärung sollte als Notfallmedikation vom Hausarzt/Apotheker ein Antihistaminikum mit sich getragen werden.

Kann das Anschwellen der Polypen auch durch eine Allergie hervorgerufen werden bzw. wurde es ursprünglich in der Vergangenheit durch eine Allergie hervorgerufen?

Die nasale Hyperreagibilität kann die Ursache sein, nach unspezifischen Reizen wie Temperaturwechsel oder Partikel in der Luft reagiert die Nase mit Schwellung. Es gibt auch eine lokale Allergie (hier sind der Haut- und Bluttest negativ). Hier kann ein Provokationstest z. B. mit Hausstaubmilben- oder Tierhaaren (wenn Haustiere gehalten werden) weiterhelfen.

Angoödem bei Älteren: Sind eine Grippeschutzimfung und Zahn-Operation dennoch möglich?

Gerade bei älteren Menschen werden Angioödeme am häufigsten durch Medikamente ausgelöst. Hier muss zuerst geprüft, ob sogenannte ACE-Hemmer oder Sartane eingenommen werden.  Dies sollte mit dem Hausarzt umgesetzt werden. Auch Schmerzmittel können ein Auslöser sein. Wenn beides nicht in Betracht kommt, ist ein Ernährungstagebuch sinnvoll. Bezüglich einer Impfung oder auch dem Gebrauch von örtlichen Betäubungsmitteln braucht man sich, wenn diese bisher immer vertragen wurden, nicht übermäßig zu sorgen. Zur örtlichen Betäubung können Präparate verwendet werden, die keine Konservierungsstoffe enthalten.

Fragestunde vom 21. September 2016

Unsere Experten

Sabine Schnadt,
Diplom Oecotrophologin,
* Deutscher Allergie- und Asthma-Bund

Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring,
München (Haut- und Laserzentrum an der Oper, München sowie ehem. Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, ** Technische Universität München)

Ihre Fragen und Antworten

Unser Sohn hatte nach der erstmaligen Gabe von bestimmten Nasentropfen einen Allergieanfall: Niesen, Auswurf, tränende Augen, Quaddeln. Kann das schon ein anaphylaktischer Schock gewesen sein? Hätte ich einen Autoinjektor benutzen dürfen?

Die pragmatische Regel sagt „Wenn man überlegt, den Adrenalin-Autoinjektor zu geben, dann sollte man es tun“. Das Notfallmanagement bei anaphylaktischen Reaktionen ist auf Sicherheit ausgelegt. Da man am Anfang einer Reaktion nicht weiß, „wohin die Reise“ geht, d. h. ob es sich zu einer schweren, möglicherweise lebensbedrohlichen Situation entwickelt, oder ob die Reaktion von alleine zurück geht  (selbst limitierend ist), wird die frühzeitige Gabe des Adrenalin-Autoinjektors empfohlen. Im Einzelnen sieht das Notfallmanagement vor, wenn mindestens 2 Organsysteme betroffen sind, den Adrenalin-Autoinjektor zu verabreichen. Insofern hätten Sie nichts falsch gemacht ihn anzuwenden. 

Mein 3,5-järiger Sohn hat zwar meine Zöliakie nicht geerbt, offenbar jedoch eine Melonenallergie (beim Arzt war er aber noch nicht) - muss ich ihm verwandte Früchte wie Zucchini vorenthalten?

Ein Allergietest sollte so bald wie möglich erfolgen und bis dahin sollte der Verzehr von verwandten Früchte vermieden werden. Zwischen einer Lebensmittelallergie und einer Zöliakie besteht jedoch kein Zusammenhang.

Wäre es möglich, dass sich meine schwere Hasusstaubmilben-Allergie (IE-Wert 2696) auch auf die Darmschleimhäute und Darmflora auswirkt? Könnte eine Darmsanierung einem allergischen Schock vorbeugen ?

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich eine Hausstaubmilbenallergie auf die Darmflora oder Darmschleimhäute auswirkt. Eine Darmsanierung hilft nicht gegen Hausstaubmilbenallergie. Der Schweregrad der Allergie spielt in beiden Fällen keine Rolle. Auch kann eine Darmsanierung keinesfalls einer anaphylaktischen Reaktion (einem allergischem Schock) vorbeugen.